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17. April 2019 – 17:00 |

Nachdem Sanierung und Verkauf der historischen Strandvillen in Deutschlands erstem Seebad mit großen Schritten vorankommen, wird Heiligendamm jetzt um einen kulinarischen Leuchtturm reicher: Pünktlich um zwölf Uhr mittags eröffnet Gründonnerstag das neue MEDINIS, das mit klassischer italienischer Küche auf höchstem Niveau aufwartet.

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Amtlicher Weckruf: 300.000 Tagesgäste in Heiligendamm

Gepostet von am 4. Juni 2014 – 15:452 Kommentare

Was bislang entweder bestritten oder verschwiegen wurde, ist jetzt amtlich: 300.000 Tagesgäste besuchten 2013 das kleine Heiligendamm mit seinen gerade mal 300 Einwohnern, schätzt das Doberaner Rathaus. Damit kann jetzt auch die Politik nicht mehr die Augen davor verschließen, was eine Öffnung der Wege für das Seebad bedeuten würde: das Ende aller Hoffnungen, Heiligendamm wirtschaftlich zum Erfolg zu führen.

Noch als das Grand Hotel Heiligendamm Teil der Jagdfeld Gruppe war, wurde auf die existenziellen Gefahren, die sich aus den anschwellenden Strömen von Tagesgästen in Heiligendamm ergeben, deutlich hingewiesen. Bis zu 4000 Besucher wurden an schönen Sommertagen gezählt, die sich teils durch Büsche und Sträucher schlugen, um auf direktem Weg über Hotelgelände und Privatgrundstücke zur Seebrücke zu gelangen. Erst sehr spät handelte die Politik und erlaubte die Einfriedung des Geländes, die Besuchermassen nahmen jetzt weitgehend die vorgesehenen Wege.

Zukunft-Heiligendamm-Tagestouristen-Molli

Viele der 300.000 Tagestouristen kommen mit der „Molli“ nach Heiligendamm. Foto: Thomas Bolte

Wie mehrfach berichtet, will eine Minderheit der Doberaner Lokalpolitiker dies ändern und die katastrophalen Zustände von damals wiederherstellen. Trotz all der bitteren und teuren Erfahrungen, die Grand Hotel und Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) mit den Besuchermassen machen mussten, sollen alle Wege geöffnet und sogar ein neuer, der Stichweg, gebaut werden. Er würde mitten über das Hotelgelände und direkt an den Häusern der Perlenkette verlaufen und die Liegewiese der Schwimmbadgäste zerschneiden – eine Katastrophe für Hotelgäste und Wohnungsbesitzer.

Daher müssen die aktuellen Zahlen aus dem Rathaus von Bad Doberan die Lokalpolitiker jetzt aufschrecken lassen: 300.000 Tagesbesucher strömten 2013 in den kleinen Ortsteil Heiligendamm – 1000 mal mehr Menschen als dieser Einwohner hat. Der Spitzenwert von 4000 Menschen an nur einem Tag ist also alles andere als übertrieben. Und man braucht kein Experte zu sein, um zu wissen, welchen Weg sich die Massen bahnen würden: erneut den kürzesten über den Stichweg, dann ganz offiziell mit dem Segen der Stadt. Grand Hotel und ECH würden das kein zweites Mal verkraften, Heiligendamm stünde vor dem wirtschaftlichen Aus. Wer das der ECH nicht abnehmen mag, der schaue auf die Erfahrungen des neuen Eigentümers des Grand Hotels: Das Experiment der probeweisen Öffnung des direkten Weges über das Hotelgelände wurde jetzt vorzeitig aufgrund der gleichen Negativerfahrungen abgebrochen (siehe Artikel Grand Hotel: Experiment offener Wege abermals gescheitert).

Es ist nun mal so: Heiligendamm ist klein, die Attraktion sind die historischen Gebäude. Auf begrenztem Platz muss daher Rücksicht genommen werden auf diejenigen, die mit ihrem Geld Grand Hotel und ECH und damit Erhalt und Aufbau der historischen Substanz finanzieren: die Hotelgäste und Wohnungskäufer. Sie müssen sich wohlfühlen und gerne wiederkommen – und nicht mit den Massen vor ihrem Liegestuhl oder der Terrasse konfrontiert sein. Sie sind es, die in Heiligendamm Geld lassen – für Übernachtung, Essen und Trinken, für Kultur-, Sport- und Wellness-Angebote. Die Tagesgäste hingegen geben praktisch nichts aus. Sie kommen, gucken – und reisen flugs wieder ab. Sie zahlen sogar nur zu einem Bruchteil Kurtaxe, wie die Zahlen aus dem Rathaus belegen.

Übrigens: Auch relativ betrachtet, ist die Zahl der Tagesgäste sehr hoch. Den 300.000 Tagesbesuchern stehen 2013 lediglich knapp 29.000 Hotel- und Pensionsgäste in Heiligendamm gegenüber, die auf gut 168.000 Übernachtungen kommen. Oder kurz: Heiligendamm braucht 300.000 Übernachtungen und nicht 300.000 durchreisende Tagesgäste.

2 Kommentare »

  • T.E. sagt:

    Wenn Sie rechnen könnten, würden Sie merken dass 300.000 Tages gäste in einem Jahr mit dem besten Sommer seit Langem statistsich etwa 70 Personen/Stunde ergeben.
    Ich glaube dies kann Heiligendamm schon verkraften, zumal die meisten Tagesgäste ja auch mit dem Molli kommen.
    Und irgendwie verstehe ich Ihre Ansicht zur Bedeutung und Rolle Heiligendamms nicht. Einerseits bauen Sie Ihre ganze Entwicklungsperspektive und Werbung auf der Bekanntheit und der Bedeutung des ersten Seebades Deutschlands auf und wunden sich dann, dass Menschen kommen um diesen bedeutungsvollen Ort auch zu sehen. Aus Ihrer Sicht sollen natürlich nur die kommen, die auch die Eintritsskarte für das Seebad-Ensemble dabei haben, aber so funktionier unsere demokratische Gesellschaft zum Glück nicht.

  • Redaktion sagt:

    Lieber T.E.,

    die 300.000 Tagesgäste verteilen sich höchst ungleich über das Jahr. An einem Januartag reichen mitunter zwei Hände aus, um die Tagesgäste zu zählen. In der Hauptsaison tummeln sich dafür umso mehr Tagesbesucher in Heiligendamm. Die jüngste Meldung des Grand Hotel Heiligendamm von 1500 Tagebesuchern an einem Tag – und es ist ja noch nicht mal Hauptsaison – macht das deutlich. Wenn dann die Sommerferien anbrechen, sind es noch deutlich mehr.

    Mit der Attraktivität eines Ortes ist das so eine Sache. Natürlich ist es schön, dass sich Heiligendamm großer Beliebtheit erfreut. Dafür brauchen wir übrigens keine Werbung zu machen, die Tagesgäste kommen von selbst. Problematisch aber wird es, wenn sehr viele kommen, die fremdes Eigentum nicht respektieren und sogar aggressiv und ausfallend werden, wie jüngst leider wieder geschehen. Das würden Sie sicher auch nicht tolerieren, zumal es den Gepflogenheiten einer demokratischen Gesellschaft zuwiderläuft. Wer aber für Kaffee und Kuchen das Grand Hotel besuchen will, war und ist dort immer herzlich willkommen. Das ist die „Eintrittskarte“, nicht mehr. Und wer das historische Ensemble einfach so bewundern möchte, kann das zu jeder Zeit tun: Hotel und Strandvillen sind von Promenade oder Kühlungsborner Straße für Jedermann frei einzusehen und zu fotografieren.

    Viele Grüße aus Heiligendamm
    Die Redaktion

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