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Bruderhähnen eine Chance geben

Gepostet von am 3. Oktober 2012 – 10:303 Kommentare

Das Gut Vorder Bollhagen beteiligt sich am „Geschwisterkükenprojekt“ von Bioland, um die im Zuchtalltag meist direkt nach dem Schlupf getöteten Brüder der Legehennen zu retten. Im Vordergrund steht, Kunden für das Problem zu sensibilisieren.

Die bisherige Praxis der Eierproduktion stellt uns alle, Erzeuger und Verbraucher, vor ein ethisches Problem: Millionen Hähne werden dabei getötet. Dass es auch anders geht, beweisen neue Ansätze von Bioland, die das Gut Vorder Bollhagen nun umsetzt.

Zunächst die Fakten: Zehn Milliarden Eier landen jährlich in den Einkaufskörben der deutschen Verbraucher. Gelegt werden diese von 34 Millionen Legehennen. Knapp 7 Prozent davon, also etwa 2,4 Millionen, leben auf ökologisch wirtschaftenden Höfen. Doch die Legehennenhaltung birgt ein ungelöstes Problem: Es werden auch im Biobereich fast ausschließlich Hybridlegehennen verwendet, die einseitig auf Eierleistung gezüchtet wurden. Das bedeutet, dass die Brüder der Legehennen für die übliche Mast nicht geeignet sind, da sie zu geringe Fleischzunahmen haben. Sie sind den speziell für die Mast gezüchteten Hähnen weit unterlegen. Deshalb werden sie kurz nach dem Schlupf aussortiert und getötet. Die Zahl der jährlich getöteten Eintagsküken entspricht in etwa der Anzahl der Legehennen, liegt also bei 34 Millionen.

Vorder-Bollhagen-Geschwisterkueken

„Kükengroschen“: Das Gut Vorder Bollhagen unterstützt innovative Züchtungsvorhaben. Foto: Kirsten Brasche-Salinger

Die Geflügelmast auf dem Gut Vorder Bollhagen ist seit drei Jahren mit etwa 1000 Masthühnern pro Jahr ein kleiner, aber überaus beliebter Bestandteil der Direktvermarktung über den Hofladen. Seitdem stellt sich auch die Frage nach geeigneten Herkünften für die Mast. Das Kernproblem ist letztlich ein wirtschaftliches. Zum Vergleich: Konventionelle, „schnell wachsende“ Hybridbroiler für die „Pommesbudenreife“ benötigen gerade einmal 28 bis 30 Tage, um ein Schlachtgewicht von 1,5 Kilogramm zu erreichen. Dies ist nur mit prophylaktischem Antibiotika-Einsatz möglich, der im Biobereich verboten ist. Die in Vorder Bollhagen und im allgemeinen im Biobereich verwendeten „langsam wachsenden“ Bio-Hybridmasthühner brauchen schon mindestens doppelt so lange für diese Gewichtszunahme, nämlich 60 bis 70 Tage. Daher benötigen sie auch mehr als doppelt so viel Futter. Dies ist der entscheidende Grund dafür, warum Bio-Geflügelfleisch auch mehr als doppelt so teuer ist wie konventionelles.

Im vergangenen Jahr hat das Gut Vorder Bollhagen zwei Versuche mit einer Zweinutzungsrasse (Bress-Hühner) unternommen. Diese brauchten sogar 120 Tage, um ein Durchschnittsgewicht von etwa 1,7 Kilogramm zu erreichen. Da Bress-Hühner sehr agil sind und durch Stall und Auslauf toben, entwickelten sie ein rotes und äußerst schmackhaftes Muskelfleisch. In diesem Jahr hat sich das Gut an dem sogenannten „Geschwisterkükenprojekt“ beteiligt. Vom Bioland-Junghennen- Aufzüchter kamen Anfang Mai 200 Eintagshähne. Diese erreichten nach 130 Tagen ein Schlachtgewicht von rund 1,7 Kilogramm. Ganz und auch in Teilstücken zerlegt sind sie im Hofladen zu bekommen. Die Hähne werden nicht ganz kostendeckend 10 Prozent teurer angeboten als die „normalen“ Brathühner. Im Vordergrund soll zunächst stehen, Kunden für das Produkt zu gewinnen und für das Thema „Geschwisterküken“ zu sensibilisieren.

Neben diesen Möglichkeiten zur Vermeidung des Kükentötens wird mittelfristig an einer technischen Lösung geforscht, welche ermöglicht, das Geschlecht im unverletzten Brutei vor dem Start des Brutvorgangs zu bestimmen. Auf diese Weise könnten auch konventionelle Hühnerhalter und Züchter das Kükentöten vermeiden. Bei der Technologie besteht jedoch noch mehrjähriger Entwicklungsbedarf. Es ist somit noch nicht absehbar, wann die Erkennung praxistauglich wird. Um das Thema konkret anzugehen, hat der Anbauverband Bioland, bei dem das Gut Vorder Bollhagen Mitglied ist, den „Kükengroschen“ eingeführt. Mit dieser Abgabe für jede von den Bioland-Legehennenhaltern bezogene Junghenne werden innovative Praxis-Projekte und Züchtungsvorhaben unterstützt. Ziel ist es, eine Legehenne zu züchten, die eine wirtschaftliche Nutzung der weiblichen und männlichen Küken gewährleistet.

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