Der Wiederaufbau der Perlenkette in Heiligendamm – Teil 4: Die Villa Seestern

Die ECH von Anno August Jagdfeld restauriert die sogenannte Perlenkette in Heiligendamm. Im vierten Teil unserer Serie über die Logiervillen geht es um die Villa Seestern. Zahn der Zeit und gravierende Umbauten haben an Substanz und Antlitz der Villa Seestern genagt. Die ECH will sie anhand historischer Fotos und Zeichnungen aufwändig restaurieren.

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Die ECH von Anno August Jagdfeld restauriert die sogenannte Perlenkette in Heiligendamm. Im vierten Teil unserer Serie über die Logiervillen geht es um die Villa Seestern. Zahn der Zeit und gravierende Umbauten haben an Substanz und Antlitz der Villa Seestern genagt. Die ECH will sie anhand historischer Fotos und Zeichnungen aufwändig restaurieren.

Das Haus Seestern am Heiligendammer Strand befindet sich als viertes Logierhaus in der Achterreihe – vom Kurplatz aus gesehen. Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin ließ es 1856/57 nach Entwürfen des Architekten Theodor Friedrich Krüger bauen.

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Schmuckstück: Die Fassade der restaurierten Villa Seestern soll wieder mit ursprünglichen Zierelementen glänzen. Foto: Jagdfeld Design Berlin

In Anlehnung an die Villa Möwe sollte auch das Haus Seestern den Charakter eines Landhauses erhalten. Das Gebäude wurde ebenso wie die anderen Villen als Pensionsresidenz für vier Familien mit etwa gleich großen Wohnungen im ersten und zweiten Geschoss aufgeteilt. Der dreigeschossige massive Bau besteht an der Seeseite aus einem vierachsigen Kernbau und seitlichen Anbauten. Eine Vielzahl mecklenburgischer Gutshäuser und Stadtvillen sind in dieser Formsprache gebaut worden, die sich verhalten an die spätmittelalterliche Volksarchitektur anlehnt. Hierfür ist das Haus Seestern beispielgebend.

Die Holzornamente sind im sogenannten Schweizer Stil gehalten. Dieser Stil äußert sich auch maßgeblich in der Wahl der Dachform: einem flach geneigten Satteldach mit größeren Dachüberständen und verzierten Balkenköpfen. Der zur Schau gestellte Giebel mit Sprengwerk sollte handwerkliche Meisterschaft zeigen. Noch heute lässt sich das ursprüngliche Erscheinungsbild dieses stilgeschichtlich interessanten Gebäudes in seiner ursprünglichen Gestaltungsabsicht gut erkennen.

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Der dreigeschossige massive Bau besteht an der Seeseite aus einem vierachsigen Kernbau und seitlichen Anbauten. Foto: Archiv Rochow

Giebel-Ornamente, die filigranen Balkongitter und die ursprüngliche Farbigkeit fehlen jedoch vollständig und lassen den ursprünglichen Charme des Hauses vermissen. Auch für das Haus Seestern hat die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) 1997 eine umfangreiche Bestandsanalyse in Auftrag gegeben. Darin wird deutlich, dass insbesondere die in zwei Abschnitten durchgeführten Umnutzungs- und Rekonstruktionsphasen in den 20er und in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zu erheblichen Eingriffen in die historische Substanz geführt haben.

Bei der ersten Umbauphase in den 1920er Jahren wurde die Fassade noch weitgehend erhalten, aber die Grundrissgestaltung grundlegend geändert. Das bisherige Familienhaus mit zwei getrennten Wohnungen pro Etage wurde in ein Logierhaus mit Einzelzimmern in der ersten und zweiten Etage sowie Speisesaal, Lesezimmer, Frühstückszimmer, Café und Büfett im Erdgeschoss umgewandelt.

Schönheit geraubt

In der Nachkriegszeit wurde das Haus zu einem funktionalen Patientenhaus für das Heiligendammer Sanatorium für Werktätige umgebaut und gleichsam auch das äußere Erscheinungsbild des Hauses Seestern gravierend verändert. Im Zuge dieser Sanierungsmaßnahme wurden beispielsweise die Eisengeländer und Baldachine der Balkone entfernt. Ebenso verschwand das Bekrönungstürmchen neben dem Eisenbaldachin des Balkons der ersten Etage.

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Erhebliche Eingriffe: In der Nachkriegszeit wurde die Villa Seestern zu einem funktionalen Patientenhaus umgebaut. Dabei wurde das äußere Erscheinungsbild des Hauses gravierend verändert. Foto: ECH

Die Ecktürmchen der Fensterbekrönungen sowie die Tür- und Fensterbekrönungen im Erdgeschoss des Kernbaus wurden ebenfalls entfernt. Das gesamte Gebäude bekam neue Fenster und Türen. Die Villa Seestern, zu DDR-Zeiten Walther-Rathenau-Haus genannt, wurde bis zum Umzug des Sanatoriums in die Median-Klinik 1996 genutzt. Seit 1997 steht das Gebäude leer. Ziel der ECH ist es, das Haus Seestern wieder in der überlieferten Schönheit entstehen zu lassen.

Aufwändige Detailarbeiten

Die ECH hat für die Villa Seestern, wie auch bei allen übrigen Logierhäusern der Perlenkette, bereits 1997 eine Mauerwerksanalyse und die Erstellung eines Holzschutzgutachtens in Auftrag gegeben. Ergebnis: In den untersuchten Bereichen des Dachstuhls sind irreversible Schäden aus Hausbock- und Nagekäferbefall erkennbar. Eine große Anzahl der Balkenköpfe ist bis zu 50 Prozent durch Braunfäule geschädigt. Schwerwiegend ist der in zumindest einigen Fällen nachweisbare Befall mit Echtem Hausschwamm. Die Analyse des Mauerwerks ergab, das insbesondere im Fundament- und Sockelbereich starke Schädigungen durch eindringende Feuchtigkeit und bauschädliche Salze vorhanden sind.

Nach den Erfahrungen bei der Sanierung der Gebäude des heutigen Grand Hotels geht die ECH davon aus, dass auch bei der geplanten Restaurierung der Villa Seestern Eingriffe sowie Rückbauten bei den am meisten geschädigten Fassadenteilen unvermeidbar sein werden. Bei der aufwändigen Restauration legt die ECH besonderen Wert auf viele einzelne Details, beispielsweise auf die besonderen Zierelemente der ursprünglichen Fassade der Villa. So soll anhand historischer Fotos und Zeichnungen nicht nur die Statue in der Fassadennische am seeseitig linken Anbau rekonstruiert werden. Auch zahlreiche Schmuckwerke aus Holz sowie Gesimse, Bossierungen, Schmuckkamine, Giebelzierrat und Geländer sollen möglichst originalgetreu nachgebildet werden. Nicht zuletzt wird auch der historische Name Seestern wieder an der Frontseite der Villa erstrahlen.

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