Die Geschichte Heiligendamms – Teil 5: Die Burg Hohenzollern

Sie ist ein Kleinod der romantischen Architektur, doch wurde lange verkannt. Erst die Restauration durch die ECH von Anno August Jagdfeld ließ die heute zum Grand Hotel Heiligendamm gehörende Burg wieder in altem Glanz erstrahlen.

Restauriert: So kennen Heiligendamm- Besucher die Burg „Hohenzollern“.

Sie ist ein Kleinod der romantischen Architektur, doch wurde lange verkannt. Erst die Restauration durch die ECH von Anno August Jagdfeld ließ die heute zum Grand Hotel Heiligendamm gehörende Burg wieder in altem Glanz erstrahlen. Erfahren Sie mehr im fünften Teil unserer Geschichts-Serie von Prof. Joachim Skerl.

Zum Erlebnis eines Landschaftsparks gehörte Anfang des 19. Jahrhunderts immer das Zusammenklingen klassischer und romantischer Architektursprachen. Dies zeigt sich etwa in den Gärten von Stourhead bis Wörlitz, die als Gesamtkunstwerke noch heute zu erleben sind. Gartengestaltung, Architektur und Baukunst führen den Wanderer nach Arkadien. Aus diesem Geist heraus ist der Landschaftsraum von Heiligendamm gestaltet worden.

Die Burg setzt gemeinsam mit dem Kurhaus diesen architektonischen Akzent. Für das Verständnis und das Erlebnis Heiligendamms sind beide Gebäude unverzichtbar.

Restauriert: So kennen Heiligendamm- Besucher die Burg „Hohenzollern“.

Restauriert: So kennen Heiligendamm-Besucher die Burg Hohenzollern bereits seit mittlerweile einer Dekade. Foto: Kirsten Brasche-Salinger

Die Burg fand ihre Anregungen in den Schlossbauten der englischen Spätgotik. Demmler hatte auf seiner Englandreise 1844 einige Tudorschlösser (unter anderem Windsor Castle) besucht. Für den Bau des markanten Gebäudes in Heiligendamm nennt er leider kein genaues Datum. Die Bauakten stammen aus den Jahren 1844 bis 1847. Es wird vermutet, dass die Burg als ein Kleinod romantischer Architektur gegen Ende der vierziger Jahre vollendet wurde. Auch die Beteiligung seines Mitarbeiters Hermann Willebrand am Entwurf und der Ausführung ist nicht gesichert. Dessen Erweiterungspläne kamen allerdings nicht zur Ausführung.

Die Wahl der Bauweise ist für Demmler geistiges Programm und nicht ausschließlich architektonisches Stilmittel. So hat er es in den Vorlesungen bei Hegel, die er in Berlin besuchte, erfahren. Hegel vermeidet den Terminus „neogotisch“. Die Gotik des Mittelalters ist für ihn „der charakteristische Mittelpunkt des eigentlich Romantischen“. Die in der Romantik einsetzbaren Stilkriterien definiert er aber epochenübergreifend als „die höchste Mannigfaltigkeit“. Durch die Architektur wird das „Geteilte, Zerstückelte“ in Hegels Theorie zur Einfachheit zurückgeführt. Weite und Breite bunter Einzelheiten werden zur sichersten Einheit zusammengefasst.

Früher: So sah die Burg Hohenzollern im 19. Jahrhundert und noch bis zum Zweiten Weltkrieg aus.

Früher: So sah die Burg Hohenzollern einst im 19. Jahrhundert und noch bis zum Zweiten Weltkrieg aus. Foto: Archiv Rochow

Die Burg folgt diesem Stilprinzip: Der Reiz des Gebäudes besteht in seiner Vielfalt und Einheitlichkeit zugleich. Eine Fülle pittoresker Einzelformen an Türmen, Zinnen, Giebeln, Erkern und Fenstergliederungen geben jeder Fassadenansicht des freistehenden Gebäudes einen eigenen Charakter. Von Osten dominiert der seitliche Rundturm, der von der fensterlosen Rustika-Mauer des Risaliten optisch im Gleichgewicht gehalten wird. Turm und Treppenanlage bestimmen die Südansicht. An der Westfassade verbinden sich asymmetrisch unterschiedliche Baukörper und Bauformen, während von Norden her das Gebäude durch die von Türmchen bekrönten Risalite symmetrisch gegliedert erscheint.

Missverständnisse zur baukünstlerischen Prägung Heiligendamms führten immer wieder dazu, dass die dominante Tudorburg Anstoß erregte. So wurde nach einigen Beschädigungen infolge des Zweiten Weltkrieges die Gelegenheit zur „Korrektur“ genutzt. Adolf Kegelbein realisierte die Sanierung des Gebäudes als Bestandteil des 1947 gegründeten Sanatoriums. Bei ihm standen vor allem wirtschaftliche Erfordernisse im Vordergrund. Es war aber auch die in den ersten Nachkriegsjahrzehnten allgemein verbreitete Ablehnung der Romantik, die eine Wiederherstellung der Tudorburg verhinderte. Noch 1993 schrieb Cuno Serowy, langjähriger medizinischer Direktor des Sanatoriums: „So malerisch-romantisch dieses Gebäude an einem anderen Standort auch gewesen sein mag, so passte es überhaupt nicht zu der durch das klassizistische Kurhaus geprägten Baugesinnung von Heiligendamm. Dagegen ist der Anfang 1950 erfolgte Umbau zu dem heutigen Haus 4 (Haus Glückauf) als eine glückliche architektonische Lösung zu werten!“ (Quelle: Manuskript zum 200-jährigen Jubiläum des ersten deutschen Seebades, 1993, S. 23)

Schlicht: Nach dem Zweiten Weltkrieg und während der DDR-Zeit war die Burg Hohenzollern ihres romantischen Schmuckes beraubt.

Schlicht: Nach dem Zweiten Weltkrieg und während der DDR-Zeit war die Burg Hohenzollern ihres romantischen Schmuckes beraubt. Foto: Archiv Rochow

Die Befürworter der Umgestaltung beriefen sich unter anderem auf Goethe, der erklärte: „Das Klassische nenne ich das Gesunde und das Romantische das Kranke.“ (Quelle: Johann Peter Eckermann „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“, Berlin und Weimar 1982, S. 286). Goethe fährt im Gespräch jedoch so fort, dass er Klassisches und Romantisches nicht grundsätzlich wertet, sondern nach Qualitäten angesichts der zeitgenössischen Mode unterscheidet.

So wurde Heiligendamm für eine Zeit seines (nicht nur zeitgeschichtlich) unbedingt erforderlichen romantischen Erlebnisses beraubt. Aufgrund der Verbindung des Schweriner Großherzoghauses zu den preußischen Hohenzollern bekam das Gebäude später den Beinamen Burg „Hohenzollern“.

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