Meine Erinnerungen an Heiligendamm – Teil 5: Königlicher Besuch

Harald Uhl hat das „alte Heiligendamm“ in den 1920er und 30er Jahren erlebt. Für Zukunft Heiligendamm schildert der in Hamburg lebende 90-Jährige einige seiner Erinnerungen. Im fünften Teil seiner Serie berichtet er über den Sommer 1936, in dem die damalige Kronprinzessin und spätere Königin der Niederlande Juliana mit ihrem Verlobten Bernhard zu Lippe Biesterfeld in Heiligendamm Urlaub machte…

Harald Uhl hat das „alte Heiligendamm“ in den 1920er und 30er Jahren erlebt. Für Zukunft Heiligendamm schildert der in Hamburg lebende 90-Jährige einige seiner Erinnerungen. Im fünften Teil seiner Serie berichtet er über den Sommer 1936, in dem die damalige Kronprinzessin und spätere Königin der Niederlande Juliana mit ihrem Verlobten Bernhard zu Lippe Biesterfeld in Heiligendamm Urlaub machte…

Schon von Kindheit und Jugend an bin ich musikbegeistert, nachdem ich im Alter von fünf Jahren im Elternhaus den Konzertflügel entdeckt hatte. Das Instrument zog mich magisch an, und das Klavierspiel hat mich seither durchs Leben begleitet. In den Nachkriegsjahren konnte ich mit Unterhaltungs- sowie Jazzmusik sogar zum Teil mein Studium finanzieren. Bis heute ist das Klavierspiel mein Hobby geblieben.

In Heiligendamm spielte beim Kurhauskonzert am Nachmittag und Abend stets ein Orchester zur Unterhaltung der Gäste auf, abends war Tanzmusik angesagt. Ich beobachtete alle Musiker mit großem Interesse, ganz besonders faszinierte mich das Akkordeon. Das schmeichelte dem Musiker sehr, und so durfte ich ganz dicht am Orchester sitzen, zuhören und genau sehen, wie das Akkordeon gespielt wurde. Der Musiker hat mir dann sogar ein wenig Unterricht erteilt, so dass ich in späteren Jahren sehr schnell mit dem Instrument umgehen und es spielen konnte.

Zukunft-Heiligendamm-Erinnerungen-Kronprinzessin-Juliana

Babyurlaub: Die Eltern von Königin Beatrix verbrachten auch den Sommer 1938 in Heiligendamm. Auf dem Foto sitzen sie auf der Treppe der Villa Krone. Im Hintergrund ist der Westturm der Burg Hohenzollern zu sehen. Foto: Koninklijke Bibliotheek, Den Haag, Niederlande

Inzwischen war ich 13 Jahre alt, es war der Sommer 1936. Das herausragende Ereignis der Sommerferien in Heiligendamm war die Anwesenheit von sehr viel Adel aus den Häusern Mecklenburg und auch Preußen. Der Grund war der Besuch von Juliana, Kronprinzessin der Niederlande, Herzogin zu Mecklenburg (1909-2004), mit ihrem Verlobten, Bernhard zu Lippe Biesterfeld (1911-2004), beim Onkel Adolf-Friedrich (1873-1969).

Julianas Mutter Wilhelmina, Königin der Niederlande (1880-1962), war mit Herzog Heinrich zu Mecklenburg-Schwerin (1876-1934) verheiratet. Daher hatte Juliana seit frühester Kindheit oft Ferien in Heiligendamm verbracht – eine Tradition, die sie bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges aufrecht erhielt. 1938 kam Juliana auch mit der wenige Monate alten Tochter Beatrix nach Heiligendamm, um das Baby den Verwandten zu zeigen.

Zukunft-Heiligendamm-Harald-Uhl

Harald Uhl aus Hamburg war mit seinen Eltern bereits in den 1920er Jahren in Heiligendamm zu Gast. Foto: Alexander Rudolph

Alle Gäste waren 1936 in Heiligendamm erfreut, bei vielen Gelegenheiten der herzoglichen Familie, den Onkeln und Tanten sowie vielen Vettern und Cousinen mit Juliana und ihrem Verlobten zu begegnen. Die Verlobung des Paares hatte im Frühjahr schon großes Aufsehen erregt, und es gab sowohl in Holland als auch in Deutschland viele kritische Stimmen zu dieser Verbindung. Im Seebad Heiligendamm aber erfreute sich das fröhlich verliebte Paar außerordentlicher Beliebtheit. Juliana und Bernhard bewegten sich völlig ungezwungen und natürlich, so dass sie alle Gäste mühelos für sich gewannen.

Im Kurhaus waren die abendlichen Tanzveranstaltungen in jenen Tagen natürlich total ausgebucht, weil alle Sommergäste hofften, einen Blick auf die Verlobten zu erhaschen. Dann aber kam der große Abend. Ich hatte mal wieder meinen kleinen geheimen Platz dicht am Orchester eingenommen, und die Musiker spielten zum Tanz auf. Juliana und Prinz Bernhard waren die ersten auf der Tanzfläche und rauschten schwungvoll und verliebt über den Tanzboden. Zunächst erklangen die schönsten Walzer, es folgten Schlager der Saison, und dann begannen die Musiker, den damals in Mode gekommenen argentinischen Tango zu spielen. Juliana und Bernhard beherrschten diesen neumodischen Tanz schon perfekt.

Bald schauten alle Gäste zu, wie das Paar sich rasant und gelenkig im Tangoschritt wiegte mit zum Teil recht frivolen Biegungen. Auf alle Fälle ging ein Raunen durch den Saal, und das Paar erntete rauschenden Beifall für die perfekte Tanzeinlage.

Meine Erinnerungen an Heiligendamm – Teil 1: Aufregung im Sommer 1924

Meine Erinnerungen an Heiligendamm – Teil 2: Erster Preis im Burgenbauen

Meine Erinnerungen an Heiligendamm – Teil 3: Aufregende Tennisturniere

Meine Erinnerungen an Heiligendamm – Teil 4: Hitler und die Nazis stiften Unruhe

Meine Erinnerungen an Heiligendamm – Teil 6: Siegerehrung bei der Großherzoglichen Familie

Weitere Beiträge zum Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü