Der Wiederaufbau der Perlenkette in Heiligendamm – Teil 2: Die Villa Greif

Die ECH von Anno August Jagdfeld restauriert die sogenannte Perlenkette in Heiligendamm. Im zweiten Teil unserer Serie über die Logiervillen geht es um die Villa Greif. Die geplante Sanierung erfolgt streng nach historischen Vorgaben. Nach der aufwändigen und detailgetreuen Rekonstruktion soll das Haus wieder in der Fassade des Jahres 1854 erstrahlen.

Die ECH von Anno August Jagdfeld restauriert die sogenannte Perlenkette in Heiligendamm. Im zweiten Teil unserer Serie über die Logiervillen geht es um die Villa Greif. Die geplante Sanierung erfolgt streng nach historischen Vorgaben. Nach der aufwändigen und detailgetreuen Rekonstruktion soll das Haus wieder in der Fassade des Jahres 1854 erstrahlen.

Was sein Urgroßvater mit der Gründung des ältesten deutschen Seebades begann, führte der Romantiker Großherzog Friedrich Franz II. weiter: Er ließ eine Reihe von kleinen Logierhäusern zur Aufnahme von Familien und deren Bediensteten sowie einzelner Badegäste während der Saison bauen – das berühmte Gebäude-Ensemble „Perlenkette“ entstand.

Das Logierhaus Greif, welches als zweites Haus in der Reihe von Westen nach Osten steht, wurde zusammen mit der Villa Perle nach dem Entwurf des Hofarchitekten W. Stern zur Saison 1854 errichtet. Von Beginn an war eine zusammenhängende Kette von Logiervillen geplant. Vorteil: Je nach finanzieller Lage konnten die Häuser nacheinander errichtet werden.

Jedes Haus sollte vier Familienwohnungen und Einzelwohnungen mit Aussicht auf die Ostsee haben. Das Haus Greif wurde als Gästehaus für die Angehörigen der großherzoglichen Familie Mecklenburgs erbaut. Den Namen Greif gab der Großherzog dem Haus per Erlass am 10. November 1861. Auch die anderen Villen erhielten feste Namen. Zuvor wurden die Häuser der Perlenkette in der Folge ihrer Fertigstellung mit Nummern oder Buchstaben bezeichnet. Da dies jedoch nicht in der Reihenfolge ihrer Lage geschah, kam es immer wieder zu Verwirrungen.

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Bei der Sanierung der Villa folgt die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) besonderen Gestaltungsvorgaben. So sind beispielsweise die Farben, Formen und Materialien von Fassade, Dachhaut und Fenstern bis hin zum Belag der Terrassen genauestens vorgeschrieben. Foto: Jagdfeld Design Berlin

Die meisten Bauten bekamen Titel mit maritimen Bezügen (Perle, Möwe, Seestern und Anker). Die Namensgebung der Villa Greif hat ihren Ursprung dagegen im Rostocker Stadtwappen. Dort ist ein goldener Greif abgebildet, das mythische Schutztier der Stadt. Die Namen Hirsch, Schwan und Bischofsstab wiederum ergeben sich aus dem Doberaner Stadtwappen.

Das Haus ist eines der überzeugendsten und gelungensten Beispiele einer Neorenaissance-Strandvilla. Die repräsentative Architektur mit den großzügigen Wohnungszuschnitten legt Zeugnis ab vom herrschaftlichen Lebensstil der herzoglichen Kur- und Feriengäste in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert für die damalige Zeit ist die konsequente Auflösung der architektonischen Strenge eines Stadthauses durch Balkone, Loggien und Veranden.

Das Haus Greif verfügt über drei Geschosse. Zu DDR-Zeiten wurde es in Haus „Käthe Kollwitz“ umbenannt. Genutzt wurde das Haus ebenso wie die übrigen Häuser in dieser Zeit als Kurklinik.

Bei der Sanierung der Villa folgt die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) besonderen Gestaltungsvorgaben. So sind beispielsweise die Farben, Formen und Materialien von Fassade, Dachhaut und Fenstern bis hin zum Belag der Terrassen genauestens vorgeschrieben. Die Fassade mit ihren umlaufenden Gesimsen, Erkern und wohlproportionierten Fenstergewändern wird schonend auf den Zustand von 1854 zurückgebaut und aufwendig rekonstruiert. Ebenso besaß die historische An sicht der Villa im Außenbereich Treppen- und Balkon geländer sowie Sonnenschutzblenden in gusseiserner Ausführung. Diese schmiedeeisernen Arbeiten machten neben dem Fassadenschmuck das einzigartige Erscheinungsbild der Villa Greif aus.

In aufwändiger und handwerklich höchst anspruchsvoller Arbeit werden diese wichtigen Stilelemente neu erstellt. Nach der Rekonstruktion wird sich die Villa Greif ihren Bewunderern wieder in der Fassade des Jahres 1854 präsentieren.

Originalgetreue Rekonstruktion

Wie auch die übrigen Villen der Perlenkette hat das Haus Greif in seiner über 150-jährigen Geschichte von seinem ursprünglichen äußeren Erscheinungsbild viel eingebüßt. So wurden etwa die Balkone komplett zurückgebaut und der Dachbereich mit den Kaminschornsteinen gravierend verändert. Die noch wenigen gut erhaltenen originalen Fassadenschmuckteile wie Gesimse, Geländer, Schmuckkamine oder Giebelverzierungen werden durch eine sorgfältige Sanierung originalgetreu rekonstruiert. Feinste Details wurden planerisch aufwändig in Absprache mit Kunsthistorikern nach alten Vorlagen wie Postkarten, historischen Fotos und Entwurfsplänen entwickelt.

Villa Greif steht unter Denkmalschutz

Das Haus Greif wird als Baudenkmal in der Denkmalliste geführt. Gleichzeitig ist es Teil des Denkmalbereichs Heiligendamm. Greif wird unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten rekonstruiert. Aufgrund des Seltenheitswertes seiner Architektur und seines überlieferten Originalbestands am Außenbau und im Inneren kommt dem Logierhaus für die Architekturgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns ein sehr wesentlicher Zeugniswert zu.

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